Vierzehn Tage, vier Städte, erste China-Reise: Shanghai, Hangzhou, Suzhou, Beijing. Dieser Bericht sammelt, was dabei tatsächlich passiert ist — die Ankunft, das Bezahlen, das Internet, und die Dinge, die schiefgingen. Alles im August 2026, alles selbst erlebt.
Der ehrlichste Gesamteindruck vorweg: Erstmal überfordert die Technologie. Dann fällt auf, wie nett die Leute sind. Und wie riesig die Städte. Das ist auch nach zwei Wochen noch der stärkste Eindruck.
Die Ankunft war schneller als jede andere
Von der Landung in Shanghai Pudong bis zum Gepäck war es die schnellste Ankunft, die wir bisher irgendwo hatten. Der Grund ist vor allem, dass fast alles vorher passiert.
Die Arrival Card füllst du online aus. Seit dem 20. November 2025 geht das für Ausländer im Netz — der Hinweis hängt am Flughafen selbst in sieben Sprachen aus. Das Formular findest du bei der National Immigration Administration. Du kannst es auch am Flughafen machen; wir würden davon abraten. Nach einem Langstreckenflug in einer Formularschlange zu stehen ist genau der Teil, den man sich sparen kann.

Am Flughafen bleiben dann nur zwei Schritte: Fingerabdrücke abgeben an einem Selbstbedienungs-Terminal, dann Passkontrolle. Danach direkt zur Gepäckausgabe. Kein Formular, keine Rückfragen.
Vom Flughafen in die Stadt: was wir gezahlt haben
Wir haben ein Didi genommen, von der Abholzone im Parkhaus T2-P2 zum North Bund. Die App zeigte 44,5 Kilometer und schätzte 44 Minuten — tatsächlich gedauert hat es rund eine Stunde. Diese Abweichung ist keine Ausnahme, sondern der Normalfall in einer Stadt dieser Größe.
Interessanter als unser Preis ist die ganze Preisleiter, die Didi für dieselbe Strecke anzeigt:
| Didi-Kategorie | Preis | ca. in Euro |
|---|---|---|
| Economy | 116,1 CNY | ~16 € |
| Standard | 156,8 CNY | ~21 € |
| Priority | 159,9 CNY | ~22 € |
| Comfort | 188,3 CNY | ~26 € |
| Premium (unsere Wahl) | 205,2 CNY | ~28 € |
| Premium XL | 324,8 CNY | ~45 € |
| Luxe | 464,2 CNY | ~64 € |

Wer sparen will, nimmt Economy und zahlt rund 16 Euro statt 28. Der Aufpreis für Premium kauft ein größeres, neueres Auto — nach einem Langstreckenflug mit Gepäck war uns das den Unterschied wert, notwendig ist er nicht.
Zwei Alternativen, die wir nicht genutzt haben, die aber für viele die bessere Wahl sind:
Der Maglev ist die schnellste Verbindung und fährt die 30,5 Kilometer bis Longyang Road in etwas über acht Minuten. Ein einfaches Ticket kostet 50 CNY, mit einer Bordkarte vom selben Tag 40 CNY. Er fährt seit Mai 2021 nur noch 300 statt der früheren 431 km/h — beeindruckend ist es immer noch. Der Haken: Longyang Road ist nicht das Zentrum, du steigst dort in die Metro um. Mit viel Gepäck ist das ein echter Faktor.
Die Metro-Linie 2 ist die günstigste Variante mit etwa 7 bis 9 CNY und braucht rund eine Stunde ins Zentrum. Wir haben sie nicht getestet; prüfe vor Ort, ob dein Zug durchfährt, und rechne in den Stoßzeiten mit vollen Wagen.
Bezahlen: Alipay hat für alles gereicht
Wir haben ausschließlich mit Alipay bezahlt und WeChat Pay in 14 Tagen kein einziges Mal gebraucht. Das ist eine Erfahrung und keine Garantie — aber es deckt sich mit dem, was man vorher liest: Als Tourist kommst du mit einer der beiden Apps durch.
Was uns niemand vorher so klar gesagt hat: Es gibt drei verschiedene Situationen an der Kasse, und in jeder drückst du einen anderen Knopf. Das ist der Teil, an dem man beim ersten Mal steht und rät.
1. Der QR-Code am Tisch
Im Restaurant klebt ein QR-Code auf dem Tisch. Du öffnest in Alipay „Scan", scannst ihn, und es öffnet sich die Speisekarte. Du bestellst direkt darüber und zahlst am Ende in derselben Ansicht.

2. Der Scanner an der Theke
An Ladentheken steht oft ein Scanner. Hier drehst du die Richtung um: Du öffnest in Alipay „Pay & receive", die App zeigt einen Barcode, und den hältst du in den Scanner. Danach erscheint der Betrag, den du mit deiner vorher festgelegten PIN bestätigst.

3. Das Tap-Terminal
Die neueste Variante ist ein kleines Terminal mit blau leuchtendem Ring. In Alipay gehst du auf „Pay & receive", dann auf „Alipay Tap", und hältst das Handy dran.

Zwei Details vom Schild neben dem Terminal, die man leicht übersieht: NFC muss aktiviert sein, und du hältst die Rückseite des Handys an den Ring — nicht das Display. Wer vorne dranhält, wartet vergeblich.
Wie du Alipay vor der Reise einrichtest, steht in unserer Anleitung zum Alipay Tour Pass.
Internet: das VPN lief, die eSIM auch ohne
Wir hatten beides dabei — NordVPN und die Trip.com China eSIM. Das VPN hat in allen vier Städten durchgehend funktioniert, ohne Ausfälle im Alltag.
Der interessantere Test war der Gegencheck: Wir haben das VPN komplett ausgeschaltet und nur die eSIM genutzt. Auch dann lief alles — Google, Instagram, WhatsApp, ChatGPT, Claude, und über den Hotspot auch der Laptop.
Bevor daraus jemand die falsche Empfehlung ableitet: Das ist keine Garantie. Es ist eine Momentaufnahme aus zwei Wochen. Die Umgehung der Great Firewall ist bei einer Roaming-eSIM ein Nebeneffekt der Netzarchitektur, keine zugesicherte Eigenschaft, und die Lage in China kann sich schnell ändern. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt beides mit — und installiert das VPN vor dem Abflug, weil der App-Store-Zugang in China blockiert ist und Nachinstallieren dann nicht mehr geht.
Was nicht funktioniert hat
Der August war die falsche Wahl. Durchgehend schwül, sehr viel Regen — und am 9. August traf Taifun Dolphin auf Ostchina. In Shanghai bedeutete das an einem Tag über 900 gestrichene Flüge und überflutete Straßen. Wir hatten Glück und mussten nichts umbuchen, aber die Route hätte auch anders ausgehen können. Wir würden nicht wieder im August fahren. Mehr dazu in unserem Guide zur besten Reisezeit für China.
Google Translate reicht nicht immer. Beim Essen bestellen ist uns damit eine Fehlbestellung passiert. Die Übersetzung ist gut genug, um die Richtung zu verstehen, aber nicht gut genug, um sich blind darauf zu verlassen. Bei allem, was man wirklich nicht essen will, lohnt sich die Gegenprobe.
Einzelne Läden in großen Malls zu finden war zäh. Ein Massage-Studio im untersten Untergeschoss ließ sich mit Amap nicht ohne Weiteres lokalisieren. Zur Mall führt die App zuverlässig, im Gebäude selbst wurde es mühsam.
Was in dem Fall geholfen hat: den Concierge fragen. Große Malls haben fast immer einen Info-Schalter. Dort das Foto und den Namen des Ladens auf dem Handy zeigen — das war in Sekunden gelöst, ohne ein Wort Chinesisch.
Was bleibt
Die Technologie überfordert am Anfang. Man landet mit dem Gefühl, dass alles über Apps läuft, die man nicht kennt, in einer Schrift, die man nicht lesen kann. Nach zwei, drei Tagen kippt das — dann ist es einfach der Alltag, und man fragt sich, warum Bezahlen zu Hause so umständlich ist.
Was davor und danach bleibt: wie nett die Leute sind, ausnahmslos und ohne dass man um Hilfe bitten muss. Und wie riesig die Städte sind. Man kann das vorher lesen, aber es hilft nichts. Man muss eine Stunde durch Shanghai fahren und dabei merken, dass man immer noch nicht draußen ist.
Wer die Route im Detail nachlesen will, findet sie in unserem Artikel zur China-Rundreise in zwei Wochen. Was direkt nach der Landung zu tun ist, steht in Erste 24 Stunden in China.
Quellen und Einordnung: Alle Beobachtungen, Preise und Fotos in diesem Bericht stammen aus einer eigenen Reise im August 2026. Die Angaben zum Maglev (Fahrzeit, Streckenlänge, Preis, Geschwindigkeitsreduzierung im Mai 2021) sind recherchiert und nicht selbst getestet. Die Zahlen zu Taifun Dolphin stammen aus der Berichterstattung von Global Times, Al Jazeera und CNBC sowie der Wetterwarnung der US-Botschaft in China. Umrechnungen CNY zu Euro gerundet zum Kurs im August 2026.