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Erfahrungsbericht · Shanghai, Hangzhou, Suzhou, Beijing · 14 Tage · 2026-08 · zu zweit, erste China-Reise

14 Tage China: was vor Ort wirklich funktioniert hat

Stand August 2026

Erste China-Reise, 14 Tage, vier Städte im August 2026 — mit Taifun, Fehlbestellung und einer Ankunft, die schneller war als jede andere. Was funktioniert hat, was nicht, und was wir anders machen würden.

Erzählt von Morten · Redaktionell geprüft

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Vierzehn Tage, vier Städte, erste China-Reise: Shanghai, Hangzhou, Suzhou, Beijing. Dieser Bericht sammelt, was dabei tatsächlich passiert ist — die Ankunft, das Bezahlen, das Internet, und die Dinge, die schiefgingen. Alles im August 2026, alles selbst erlebt.

Der ehrlichste Gesamteindruck vorweg: Erstmal überfordert die Technologie. Dann fällt auf, wie nett die Leute sind. Und wie riesig die Städte. Das ist auch nach zwei Wochen noch der stärkste Eindruck.

Die Ankunft war schneller als jede andere

Von der Landung in Shanghai Pudong bis zum Gepäck war es die schnellste Ankunft, die wir bisher irgendwo hatten. Der Grund ist vor allem, dass fast alles vorher passiert.

Die Arrival Card füllst du online aus. Seit dem 20. November 2025 geht das für Ausländer im Netz — der Hinweis hängt am Flughafen selbst in sieben Sprachen aus. Das Formular findest du bei der National Immigration Administration. Du kannst es auch am Flughafen machen; wir würden davon abraten. Nach einem Langstreckenflug in einer Formularschlange zu stehen ist genau der Teil, den man sich sparen kann.

Hinweisschild im Ankunftsbereich des Flughafens Shanghai Pudong mit der Aufschrift Fingerprint Self-collection für Ausländer und einem separaten Weg für chinesische Staatsbürger
Der Ankunftsbereich in Pudong: Ausländer folgen dem Schild Fingerprint Self-collection nach links, chinesische Staatsbürger nach rechts. Die Stelen davor weisen darauf hin, dass die Arrival Card seit dem 20. November 2025 online ausgefüllt werden kann. Foto August 2026.

Am Flughafen bleiben dann nur zwei Schritte: Fingerabdrücke abgeben an einem Selbstbedienungs-Terminal, dann Passkontrolle. Danach direkt zur Gepäckausgabe. Kein Formular, keine Rückfragen.

Vom Flughafen in die Stadt: was wir gezahlt haben

Wir haben ein Didi genommen, von der Abholzone im Parkhaus T2-P2 zum North Bund. Die App zeigte 44,5 Kilometer und schätzte 44 Minuten — tatsächlich gedauert hat es rund eine Stunde. Diese Abweichung ist keine Ausnahme, sondern der Normalfall in einer Stadt dieser Größe.

Interessanter als unser Preis ist die ganze Preisleiter, die Didi für dieselbe Strecke anzeigt:

Didi-KategoriePreisca. in Euro
Economy116,1 CNY~16 €
Standard156,8 CNY~21 €
Priority159,9 CNY~22 €
Comfort188,3 CNY~26 €
Premium (unsere Wahl)205,2 CNY~28 €
Premium XL324,8 CNY~45 €
Luxe464,2 CNY~64 €
Didi-App zeigt die Fahrt vom Parkhaus Pudong T2-P2 zum North Bund Navigation Park mit 44,5 Kilometern, 44 Minuten und einer Preisliste von Economy bis Premium
Die Didi-Preisübersicht für Pudong T2 zum North Bund, aufgenommen um 11:32 Uhr. Oben die Route mit 44,5 km und geschätzten 44 Minuten, darunter die Fahrzeug-Klassen. Premium war mit 205,2 CNY vorausgewählt. Screenshot August 2026.

Wer sparen will, nimmt Economy und zahlt rund 16 Euro statt 28. Der Aufpreis für Premium kauft ein größeres, neueres Auto — nach einem Langstreckenflug mit Gepäck war uns das den Unterschied wert, notwendig ist er nicht.

Zwei Alternativen, die wir nicht genutzt haben, die aber für viele die bessere Wahl sind:

Der Maglev ist die schnellste Verbindung und fährt die 30,5 Kilometer bis Longyang Road in etwas über acht Minuten. Ein einfaches Ticket kostet 50 CNY, mit einer Bordkarte vom selben Tag 40 CNY. Er fährt seit Mai 2021 nur noch 300 statt der früheren 431 km/h — beeindruckend ist es immer noch. Der Haken: Longyang Road ist nicht das Zentrum, du steigst dort in die Metro um. Mit viel Gepäck ist das ein echter Faktor.

Die Metro-Linie 2 ist die günstigste Variante mit etwa 7 bis 9 CNY und braucht rund eine Stunde ins Zentrum. Wir haben sie nicht getestet; prüfe vor Ort, ob dein Zug durchfährt, und rechne in den Stoßzeiten mit vollen Wagen.

Bezahlen: Alipay hat für alles gereicht

Wir haben ausschließlich mit Alipay bezahlt und WeChat Pay in 14 Tagen kein einziges Mal gebraucht. Das ist eine Erfahrung und keine Garantie — aber es deckt sich mit dem, was man vorher liest: Als Tourist kommst du mit einer der beiden Apps durch.

Was uns niemand vorher so klar gesagt hat: Es gibt drei verschiedene Situationen an der Kasse, und in jeder drückst du einen anderen Knopf. Das ist der Teil, an dem man beim ersten Mal steht und rät.

1. Der QR-Code am Tisch

Im Restaurant klebt ein QR-Code auf dem Tisch. Du öffnest in Alipay „Scan", scannst ihn, und es öffnet sich die Speisekarte. Du bestellst direkt darüber und zahlst am Ende in derselben Ansicht.

Restauranttisch in China mit mehreren aufgeklebten QR-Code-Stickern, einer davon mit der Tischnummer 14
Typischer Restauranttisch: mehrere QR-Codes, einer davon mit der Tischnummer. Über diesen Code läuft die komplette Bestellung inklusive Bezahlung. Foto August 2026.

2. Der Scanner an der Theke

An Ladentheken steht oft ein Scanner. Hier drehst du die Richtung um: Du öffnest in Alipay „Pay & receive", die App zeigt einen Barcode, und den hältst du in den Scanner. Danach erscheint der Betrag, den du mit deiner vorher festgelegten PIN bestätigst.

Barcode-Scanner auf einer Ladentheke in China, daneben Gebäck und eine Getränkekarte
Der Scanner an der Theke liest den Barcode aus deiner Alipay-App — nicht umgekehrt. Foto August 2026.

3. Das Tap-Terminal

Die neueste Variante ist ein kleines Terminal mit blau leuchtendem Ring. In Alipay gehst du auf „Pay & receive", dann auf „Alipay Tap", und hältst das Handy dran.

Alipay-Tap-Terminal mit blau leuchtendem Ring an einer Kasse, daneben ein Schild mit der Anleitung zum kontaktlosen Bezahlen
Das Tap-Terminal. Auf dem Schild daneben stehen die zwei entscheidenden Details: NFC muss eingeschaltet sein, und du hältst die Rückseite des Handys an den blauen Ring. Foto August 2026.

Zwei Details vom Schild neben dem Terminal, die man leicht übersieht: NFC muss aktiviert sein, und du hältst die Rückseite des Handys an den Ring — nicht das Display. Wer vorne dranhält, wartet vergeblich.

Wie du Alipay vor der Reise einrichtest, steht in unserer Anleitung zum Alipay Tour Pass.

Internet: das VPN lief, die eSIM auch ohne

Wir hatten beides dabei — NordVPN und die Trip.com China eSIM. Das VPN hat in allen vier Städten durchgehend funktioniert, ohne Ausfälle im Alltag.

Der interessantere Test war der Gegencheck: Wir haben das VPN komplett ausgeschaltet und nur die eSIM genutzt. Auch dann lief alles — Google, Instagram, WhatsApp, ChatGPT, Claude, und über den Hotspot auch der Laptop.

Bevor daraus jemand die falsche Empfehlung ableitet: Das ist keine Garantie. Es ist eine Momentaufnahme aus zwei Wochen. Die Umgehung der Great Firewall ist bei einer Roaming-eSIM ein Nebeneffekt der Netzarchitektur, keine zugesicherte Eigenschaft, und die Lage in China kann sich schnell ändern. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt beides mit — und installiert das VPN vor dem Abflug, weil der App-Store-Zugang in China blockiert ist und Nachinstallieren dann nicht mehr geht.

Was nicht funktioniert hat

Der August war die falsche Wahl. Durchgehend schwül, sehr viel Regen — und am 9. August traf Taifun Dolphin auf Ostchina. In Shanghai bedeutete das an einem Tag über 900 gestrichene Flüge und überflutete Straßen. Wir hatten Glück und mussten nichts umbuchen, aber die Route hätte auch anders ausgehen können. Wir würden nicht wieder im August fahren. Mehr dazu in unserem Guide zur besten Reisezeit für China.

Google Translate reicht nicht immer. Beim Essen bestellen ist uns damit eine Fehlbestellung passiert. Die Übersetzung ist gut genug, um die Richtung zu verstehen, aber nicht gut genug, um sich blind darauf zu verlassen. Bei allem, was man wirklich nicht essen will, lohnt sich die Gegenprobe.

Einzelne Läden in großen Malls zu finden war zäh. Ein Massage-Studio im untersten Untergeschoss ließ sich mit Amap nicht ohne Weiteres lokalisieren. Zur Mall führt die App zuverlässig, im Gebäude selbst wurde es mühsam.

Was in dem Fall geholfen hat: den Concierge fragen. Große Malls haben fast immer einen Info-Schalter. Dort das Foto und den Namen des Ladens auf dem Handy zeigen — das war in Sekunden gelöst, ohne ein Wort Chinesisch.

Was bleibt

Die Technologie überfordert am Anfang. Man landet mit dem Gefühl, dass alles über Apps läuft, die man nicht kennt, in einer Schrift, die man nicht lesen kann. Nach zwei, drei Tagen kippt das — dann ist es einfach der Alltag, und man fragt sich, warum Bezahlen zu Hause so umständlich ist.

Was davor und danach bleibt: wie nett die Leute sind, ausnahmslos und ohne dass man um Hilfe bitten muss. Und wie riesig die Städte sind. Man kann das vorher lesen, aber es hilft nichts. Man muss eine Stunde durch Shanghai fahren und dabei merken, dass man immer noch nicht draußen ist.

Wer die Route im Detail nachlesen will, findet sie in unserem Artikel zur China-Rundreise in zwei Wochen. Was direkt nach der Landung zu tun ist, steht in Erste 24 Stunden in China.


Quellen und Einordnung: Alle Beobachtungen, Preise und Fotos in diesem Bericht stammen aus einer eigenen Reise im August 2026. Die Angaben zum Maglev (Fahrzeit, Streckenlänge, Preis, Geschwindigkeitsreduzierung im Mai 2021) sind recherchiert und nicht selbst getestet. Die Zahlen zu Taifun Dolphin stammen aus der Berichterstattung von Global Times, Al Jazeera und CNBC sowie der Wetterwarnung der US-Botschaft in China. Umrechnungen CNY zu Euro gerundet zum Kurs im August 2026.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Einreise am Flughafen Shanghai Pudong?
In unserem Fall war es die schnellste Ankunft, die wir je hatten. Wenn die Arrival Card vorher online ausgefüllt ist, bleiben am Flughafen nur zwei Schritte: Fingerabdrücke an einem Selbstbedienungs-Terminal abgeben, dann Passkontrolle. Danach direkt zur Gepäckausgabe. Ohne Vorab-Registrierung kommt das Ausfüllen der Arrival Card vor Ort dazu.
Muss ich die China Arrival Card vorher online ausfüllen?
Nötig ist es nicht — seit dem 20. November 2025 können Ausländer die Arrival Card online ausfüllen, es geht aber weiterhin auch am Flughafen. Wir empfehlen die Online-Variante trotzdem: Sie dauert wenige Minuten in Ruhe zu Hause und spart nach einem Langstreckenflug die Formularschlange.
Was kostet ein Didi vom Flughafen Pudong ins Zentrum von Shanghai?
Für die Strecke Pudong T2 zum North Bund zeigte Didi im August 2026 rund 116 CNY für Economy und 205 CNY für Premium — umgerechnet etwa 16 bis 28 Euro. Wir sind Premium gefahren und haben rund 28 Euro bezahlt. Die App schätzte 44 Minuten, gedauert hat es rund eine Stunde.
Braucht man in China sowohl Alipay als auch WeChat Pay?
Wir sind 14 Tage in vier Städten ausschließlich mit Alipay ausgekommen und haben WeChat Pay kein einziges Mal gebraucht. Das ist eine Erfahrung, keine Garantie — wer auf Nummer sicher gehen will, richtet beides vor der Reise ein, weil die Einrichtung vor Ort schwieriger ist.
Funktioniert das Internet in China ohne VPN?
Mit einer Roaming-eSIM kann es funktionieren: Wir haben das VPN testweise komplett ausgeschaltet, und Google, Instagram, WhatsApp, ChatGPT und Claude waren über die Trip.com China eSIM trotzdem erreichbar. Verlassen würden wir uns darauf nicht — ein VPN gehört vor Abflug aufs Handy, weil es sich in China nicht mehr nachinstallieren lässt.
Ist der August eine gute Reisezeit für China?
Aus unserer Erfahrung nein. Es war durchgehend schwül, es hat sehr viel geregnet, und wir haben Taifun Dolphin miterlebt, der am 9. August 2026 auf Ostchina traf und in Shanghai zu Hunderten Flugausfällen führte. Wir würden nicht wieder im August fahren.
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